Teufelsritt- Coffin Nails MC

— Hände weg vom Sohn des Clubpräsidenten —

Tooth. Vize-Präsident des Coffin Nails Motorradclubs. Unentwegt auf der Suche nach Vergeltung. Das Letzte, was er braucht, ist Babysitter für einen Stricher spielen zu müssen.

Lucifer. Gefallen. Verloren. Allein.

 

Während seiner Kindheit vernachlässigt und missbraucht, bricht Lucifer nach dem Selbstmord seiner Mutter allein in die Welt auf. Er kennt nichts anderes, als sich von einem Tag zum anderen durchzuboxen. Als Bastard des Clubpräsidenten der Coffin Nails hatte er nie viel väterliche Liebe erlebt. So ist er völlig überrascht, als die Nails in dem Stripclub auftauchen, in dem er arbeitet, und er in die Obhut von Tooth kommt—dem Vizepräsidenten der Nails, der für seine schrecklichen Verhörmethoden bekannt ist. Der Mann ist der heißeste Kerl, den Lucifer je getroffen hat. Außerdem ist er aber auch älter, heterosexuell und ein Verlangen, das Lucifer niemals befriedigen kann.

Zwölf Jahre zuvor kam Tooth‘ Leben zu einem plötzlichen Halt. Sein Liebhaber wurde brutal ermordet, die Polizei fand die Täter nie und alle Spuren endeten in Sackgassen. Um Frieden zu finden und seine Gier nach Gerechtigkeit zu stillen, trat Tooth den Coffin Nails bei, doch auch Jahre später ist er mit dem Fall noch nicht weitergekommen. Dennoch brennt er weiterhin auf Rache.

Den Babysitter für einen zutiefst verletzten Teenager mit Talent zum Verschwinden zu machen, ist so ziemlich das Letzte, worauf der Lust hat. Nie wieder wollte er sich auf so jemanden einzulassen. Aber um sicherzugehen, dass es dem offensichtlich schwulen Jungen im Clubhaus gut ergeht, muss Tooth ihn im Blick behalten. Lucifers großen blauen Augen ziehen ihn in seinen Bann, doch den Sohn des Clubpräsidenten flachzulegen kommt überhaupt nicht in Frage, selbst wenn ihre Gefühle füreinander über Lust hinausgehen sollten.

Was Tooth nicht weiß, ist, dass Lucifer der Schlüssel sein könnte, den Tooth so dringend braucht, um mit seiner Vergangenheit abzuschließen.


WARNUNG Beinhaltet thematisches Material für Erwachsene: eine düstere Storyline, Sex, expliziter Sprachgebrauch, Gewalt und Missbrauch. Zweckentfremdung von Zahnarztinstrumenten und Milch.

Motive: Prostitution, gesetzeswidrige Biker, organisiertes Verbrechen, Homophobie, Familienprobleme, Coming Out, Disziplinierung/Bestrafung, Organraub, Schmerz-und-Trost , Altersunterschied

Genre: Dunkle zeitgenössische Gay Romance

Lucifer war im Lagerraum hinter der Bar, als die Musik im Stripclub verstummte. Das Bedürfnis nachzuschauen, was los war, verlor er jedoch im gleichen Augenblick, in dem Kreischen und Geschrei an seine Ohren drang, und bei dem Klirren von zerbrechendem Glas, das darauf folgte, zog er sich weiter in eine dunkle Ecke des Raums zurück.

Ein Pistolenschuss ließ ihn aufschreien und dann fiel er hinterrücks in einen Stapel aus Flaschen, als ihm eine Dose unter den Fuß rollte. Das Herz blieb ihm stehen, aber er hoffte, dass bei dem Chaos da draußen niemand den Krach hier drinnen bemerkte.

„Alle Schlampen hier her!“, brüllte eine männliche Stimme und es wurde ruhig im Nebenzimmer, nur eine Wand von Luci entfernt. „Wir wollen nur ein paar Fragen stellen. Es muss niemand zu Schaden kommen.“

„Scheiße, scheiße, scheiße“, flüsterte Luci zu sich selbst, während er verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Falle suchte. Das Letzte, was er wollte, war auf eine Horde Halunken mit Knarren zu treffen. Das ging nie gut aus. Das letzte Mal, als er mit dem Besitzer der Vanilla Lounge in Streit geraten war, war er so hart am Kiefer getroffen worden, dass er zwei Wochen lang mit einem blauen Fleck rumlaufen musste. Glücklicherweise war Rick da gewesen, um einzuschreiten, aber dieses Mal ging die Gefahr nicht von ihrem Boss aus. Luci bezweifelte, dass Rick oder einer der anderen Türsteher es mit den Kerlen da draußen aufnehmen konnten, die gerade die Mädchen mit Fragen bombardierten. Das war etwas ganz anderes, als ein paar Kunden rauszuschmeißen, die sich nicht benehmen konnten.

Die grollende Stimme fuhr fort: „Wo ist Suzy Sapphire? Ich kann’s nicht leiden, angelogen zu werden. Beantworte die Frage und du kannst wieder an die Arbeit gehen.“

Luci zwängte sich in eine Ecke hinter einem Regal voll mit klirrenden Bierflaschen. Staub stieg ihm in die Nase. Hatte Suzy was angestellt? Das war schlecht. Super-verdammt-schlecht. Er wusste, dass sie dealte, es war ein guter Nebenverdienst, aber vor kurzem hatte sie sich diese neuen Schuhe mit kristallbesetzten Absätzen gekauft und dazu auch noch eine passende Tasche. Hatte sie es vielleicht etwas übertrieben? Ein weiblicher Schrei riss Luci aus seinen panischen Gedanken.

„Ich weiß nicht. Es tut mir leid, als ich sie das letzte Mal gesehen habe, war sie bei Luci“, jammerte Linda.

Luci kannte dieses Geheul nur zu gut. Das Mädel war eine gottverdammte Fontäne, jammerte überall rum. Ein Kunde der Marke Daddy-Typ musste sie nur mal auf den Schoß nehmen und schon würgte sie ihre ganze Lebensgeschichte vor ihm aus. Luci hatte auch ein beschissenes Leben, aber er heulte zumindest nur, wenn er allein war. Den Typen hier gab er lediglich die Blowjobs, für die sie ja hergekommen waren, und vergaß sie dann wieder. Männer, die die Vanilla Lounge besuchten, verlangten selten mehr als das von ihm. Sie begehrten den Nervenkitzel des Ungewöhnlichen. Junges Gesicht—check, lange blonde Haare—check. Er hatte ein paar Stammkunden, für die er auch mal einen Lapdance machte, und wenn einer von denen mal zu weit ging, konnte er immer noch nach Rick rufen. Wir haben einen verfickten Bouncer, Linda, nicht wie auf der Straße, also warum heulst du verdammt nochmal so rum? Luci stöhnte auf, als er sie jaulen hörte, sie hätte ihn zuletzt an der Bar gesehen.

Die Haare in seinem Nacken stellten sich auf und er sah sich suchend nach einer Ecke um, in die er sich quetschen könnte. Ganz unten auf dem Metallregal waren Gasflaschen aufgestellt und er ergriff die Gelegenheit, seinen schlanken Körper zwischen ihnen und der Wand zu verstecken. Der Raum war dunkel genug, dass zumindest der Hauch einer Chance bestand, nicht entdeckt zu werden, also rollte er sich zu einem Ball zusammen und machte sich so klein wie möglich. Im gleichen Moment, in dem er sein Gesicht zwischen seinen Knien verbarg, öffnete sich die Tür und ließ einen kalten Lichtstrahl herein, der über den Boden kroch und ihm viel zu nahe kam. Sein Herz schlug so schnell, dass es sein Hirn fast mit dem ganzen überschüssigen Blut zum Kochen brachte.

Der Knall, mit dem die Tür gegen die Wand schlug, ließ ihn zusammenzucken, aber diesem Lärm folgte etwas noch viel Unheilvolleres. Langsame, kalkulierte Schritte, begleitet von einem metallenen Klang, der vielleicht von einer Kette ausging. Vor Lucis innerem Auge erschienen explosionsartig Visionen von kalten, breiten Kettengliedern, die sich um seinem Hals zusammenzogen. Als das Geräusch kurz vor Lucis Versteck verstummte, fing er an zu schwitzen. Er fühlte sich, als ob all das Wasser in seinem Körper herausgedrängt würde, um ihn noch weiter schrumpfen zu lassen. Aber er war entdeckt worden. So viel wusste er bereits, bevor der Gangster überhaupt sprach.

“Mach schon, Mädel. Komm da raus“, erklang ein gesenktes, männliches Grummeln.

Luci wagte es schließlich, seine Stirn von den Knien zu lösen und hochzuschauen. Er bedachte den Typen mit dem tränenreichsten, blauäugigen Flehen, das er aufbringen konnte. „Bitte tu mir nicht weh“, flüsterte er in einer hohen Stimmlage, um sein Geschlecht nicht zu verraten.

Von seiner knienden Position aus, wirkte der Kerl vor ihm sehr massiv. Das Licht, das von oben auf ihn fiel, verlieh ihm ein fast übernatürliches Glühen. Er war groß und muskulös, mit starken Schultern und breiten Armen. Luci konnte sein Gesicht nicht so gut sehen, aber es schien sich hinter einem buschigen Bart und langem Haar zu verstecken, das sich wie ein schwarzer Heiligenschein steif um seinen Kopf legte. „Wenn du tust, was ich dir sage.“

„Werde ich“, erwiderte Luci, und im gleichen Atemzug schnappte er sich eine Flasche vom Regal und knallte sie dem Kerl gegen das Schienbein. Das musste etwas Schaden angerichtet haben, selbst durch den dicken Lederstiefel, denn der Halunke stieß ein schmerzerfülltes Knurren aus und krümmte sich. Luci nutzte die Gelegenheit, um sich zwischen den Beinen des Monsters durchzuschieben. Er musste die Tür erreichen. Glänzende Leggins waren das Letzte, was er auf seiner Flucht tragen wollte, aber er musste das Beste aus dem machen, was ihm gegeben war.

In dem Moment, in dem er es schaffte, sich an dem Giganten vorbei zu schleichen, fühlte er ein Ziehen an seinem Schopf und dann wurde er innerhalb der Spanne einer einzigen atemlosen Sekunde zurück gerissen und gegen die Wand geworfen. Schmerz explodierte in seinem Hinterkopf, als er zu Boden fiel. Er versuchte noch, sein Gleichgewicht wiederzufinden, als der Mann schon wieder über ihm war und nach seinem Haar griff. Die blonde Pracht, auf die er sonst so stolz war, war in dieser Situation ein Riesennachteil.

„Was zum Teufel hab ich gesagt, … Junge?“, grummelte der Mann, mit einer kurzen Pause vor dem letzten Wort. Das Geschlecht seines Gefangenen schien ihn nicht allzu sehr zu irritieren.

Luci bog seinen Rücken durch, immer noch etwas benommen von dem Aufprall.

„Was zur Hölle ist da los, Tooth? Hast du die Schlampe?“, rief jemand von draußen.

„Lass mich los, Hurensohn!“ Luci griff nach diesem irre breiten Handgelenk, um den Mann davon abzuhalten, an seinem Haar zu ziehen. Seine Finger trafen auf Metall und Leder und dann wurde er achtlos an seinen Haaren hochgezogen und wie die Frau eines Höhlenmenschen zur Tür geschleift.

„Halt’s Maul.“

Luci hatte keine Wahl, als gebeugt mitzugehen, wobei ihm die Haare ins Gesicht hingen und seine Sicht verdeckten. In einer derart beschissenen Lage war er nicht mehr gewesen, seit er einen Typen mit einem Messer hatte abwehren müssen, der ihn in ein verlassenes Gebäude ziehen wollte. Ja, es war wahrlich eine Freude in den Straßen von Detroit zu leben.

Luci zog die Leggins hoch, die ihm immer wieder den Hintern runterrutschten. Wie erwartet gab keines der Mädchen einen Ton von sich. Hier war jede Frau auf sich selbst gestellt, nahm Luci an. „Du verschwendest deine Zeit, du haariger Bär! Ich weiß nicht, wo Suzy ist“, sagte er mit rauer Stimme.

„Wo ist Suzy?“, knurrte der Höhlenmensch. Dabei schüttelte er Lucis Kopf so heftig, dass ihm Tränen in den Augen stiegen.

Luci wusste, dass ihm keine Hoffnung blieb, als eine dieser verräterischen Schlampen, Linda, wer sonst, meinte: „Das ist er! Nach dem habt ihr gesucht. Er war zuletzt mit ihr zusammen.“

Tooth‘ Griff lockerte sich etwas, als Luci aufhörte, sich zu wehren, also richtete er sich auf, was angenehmer war. Es war nicht leicht, seine Würde zu bewahren, wenn man nur eine mit Pailletten besetzte Leggins trug und nichts drunter. Luci strich sich ein paar Haare aus dem Gesicht und sah auf zu dem Brutalo, der ihn festhielt.

Er war ein Pirat. Aber nicht nur so einer aus einem Hollywood-Film, nein, seine grünen Augen funkelten so wild, dass Luci sich vorstellen konnte, wie er Knoten in seinen Bart machte und ihn anzündete. Wie Blackbeard. Oder vielleicht so ein klassischer Pirat, der Leute quälte und sie über die Planke gehen ließ und dann lachte wie ein Bösewicht aus einem Cartoon, während sie auf Fleisch, Blut und Knochen zerrissen wurden. Das konnte Luci sich auch vorstellen. Selbst trotz des dichten schwarzen Barts und des langen Haars, das seine Gesichtszüge weicher erscheinen ließ, war Luci sofort klar, dass er eine umwerfende Knochenstruktur hatte, mit hohen Wangenknochen, starken Brauen und einer römischen Nase. Er hätte gut ausgesehen, wenn er nicht ein Halunke und ganz klar bereit gewesen wäre, Luci zu zerlegen, um an Informationen zu kommen.

„Für dich bin ich Lucifer“, sagte er und spuckte dem Kerl direkt ins Gesicht, während im Hintergrund Männer lachten und zischten.

„Der Junge hat einen Todeswunsch“, meinte einer prustend.

„Vielleicht müssen ihm noch ein paar Milchzähne gezogen werden“, fügte ein anderer hinzu, begleitet von Gelächter. Luci betrachtete die Gruppe von Männern kurz und dann traf ihn die Erkenntnis, dass es sich um eine Motorradgang handeln musste. Sie trugen alle diese Westen, die er aus seiner Kindheit kannte. Die meisten davon waren aus Leder und allgemein erinnerte ihr Stil ziemlich stark an Biker Kultur. Wo war Suzy da nur rein geraten? Waren das die Leute, von denen sie ihre Drogen bekam?

Das strenge Gesicht über ihm spannte sich nur wenig an, als sein Speichel seine Wange traf. Der Biker wischte ihn sich mit einer Hand ab, wobei seine Nasenflügel flatterten, als ob sie die seltsame Ruhe in seinen grünen Augen unterstreichen wollten. Luci hatte keine Ahnung, was er von diesem Mann erwarten sollte, und gerade als er das dachte, wurde er gegen einen nassen Tisch gestoßen, der nach dem billigem Whiskey roch, den sie hier verkauften. Er schaffte es gerade noch, einmal Luft zu holen, bevor der Biker über ihm zu prusten anfing.

„Drive in? Im Ernst?“, las er das Tattoo unten auf Lucis Rücken vor. Es war auf eine Art stilisiert, die es wie ein Retro-Neonzeichen aussehen ließ und schloss sogar ein Auto aus den 50er Jahren mit ein.

Luci runzelte die Stirn. Ihm war nur allzu bewusst, dass er gerade die Hauptunterhaltungsquelle war. Die einzige Art, sich dagegen zu wehren, war dem Brutalo keine Genugtuung zu verschaffen. „Warum bist du so an meinem Arsch interessiert, hä?“ Seine armen Haare waren nun mit Alkohol durchtränkt. Er betete nur, dass sie ihn nicht als nächstes anzünden würden oder so’n Scheiß.

Der Mann gab ein grollendes Lachen von sich und drückte Luci fester gegen den Tisch. Luci konnte immer noch all die grinsenden Gesichter sehen und die panischen Blicke in den Augen der Mädchen. „Es ist schwierig, dein Arschgeweih nicht zu bemerken, wenn dir deine Hose so runterhängt.“

Luci stöhnte und zog sich die Leggins wieder hoch. Jetzt bemerkte er auch Rick, der an der Seite stand. Der Mann war so blass, dass er schon krank aussah, was verständlich war, da ihm eine Pistole an den Hals gehalten wurde. Dennoch schüttelte er leicht seinen Kopf, während er Luci ansah und formte mit seinen Lippen das Wort: „Nein.“

Luci hörte das Stampfen von mehreren Stiefeln hinter ihm.

„Sie ist auch nicht hinten oder im Motel“, sagte ein Mann. Wut schwang in seiner Stimme mit. „Was für ´ne Scheiße ist das hier?“

Blackbeard seufzte. „Der kleine Mistkerl hier weiß irgendwas, zumindest sagen sie das alle.“

„Zieh ihn hoch. Er wird reden.“

Das würde er verdammt nochmal nicht! Er konnte Suzy nicht noch tiefer in die Scheiße reiten, als sie schon drin steckte. Sie war eine der nettesten Personen hier und teilte sogar ihre Joints mit ihm.

Der Biker zog wieder abartig an seinen Haaren und dann stand Luci an seinen harten Körper gepresst. Seine nackte Haut berührte das Shirt und den Ledergürtel des anderen Mannes und bei dem Gefühl von der metallenen Schnalle an seinem Steißbein erschauderte er. Jegliche Gedanken an die starken Muskeln hinter ihm verflogen jedoch im gleichen Moment, in dem er in das Gesicht vor ihm blickte. Diese hellen, fragenden Augen unter diesen dichten Jack Nicholson Augenbrauen würde er nie vergessen.

„D-Dad?“, stotterte er, während Raum und Zeit um ihn herum einfroren. Das konnte nicht passieren. Die Stille, die folgte, war so vollkommen, dass Luci hätte schwören können, dass er den Bart hinter sich wachsen hörte.

Die Augen seines Vaters weiteten sich, als er Luci von oben bis unten ansah und der Mund stand ihm offen. „Lucifer?“, fragte er schließlich, wobei sein Blick zu den Männern an seinen Seiten schweifte. Seine Schultern krümmten sich leicht.

Luci musste schlucken. So ultrapeinlich wie das Ganze auch war, wenn sein Vater hier war, würden ihm vielleicht keine Knochen gebrochen werden und er hätte möglicherweise ein bisschen mehr Zeit, eine schnelle Flucht zu planen. Positiv war auch, dass niemand mehr lachte. „Hi …“ Luci lächelte, wobei seien Zähne leicht klapperten. Eine überschwängliche Begrüßung würde es hier nicht geben. Vaters Augenbrauen zogen sich zu einer Falte zusammen. Es sah aus, als würde eine tiefe Schlucht mitten auf seiner Stirn aufklaffen.

„Was zur Hölle hast du da an?“

„Das sind …“ Luci räusperte sich. „Arbeitsklamotten.“

Vater sah ihn höhnisch an und blickte über Lucis Schulter, zu der bärtigen Bedrohung hinter ihm. „Tooth, bring ihn verdammt nochmal hier raus, ich habe keine Zeit, mich um diese Scheiße zu kümmern. Besorg ihm was zum Anziehen und nimm ihn mit zurück zum Club. Was immer er weiß, kann er uns da erzählen.“

Ein paar Haare streiften Lucis Schulter, was bedeuten musste, dass Tooth nickte, was sich auch gleich bestätigte, als er vorwärts geschubst wurde, Richtung Tür. Die Biker gaben ihnen den Weg frei, ihre Gesichter starr vor Verwirrung. Trotz der Leggins, fühlte Luci sich komplett nackt.

„Und pass auf ihn auf, Tooth. Er läuft gerne weg“, knurrte Vater, als sie das Gebäude verließen und von der abendlich kühlen Frühlingsluft begrüßt wurden.

„Das habe ich auch schon bemerkt“, gab Tooth zurück, während er Luci achtlos zu einem Haufen absolut krasser Motorräder führte. Sie alle glänzten im spärlichen Mondschein und den schwachen Lichtern des Stripclubs. Luci legte seine Hände über seine Nippel, die dabei waren, steif zu werden, und betrachtete Tooth mit einem Schmollen. Das war alles so ein Schwachsinn.

„Was machst du?“, murmelte Tooth, ohne Lucis Haare loszulassen. Er war wirklich wie eine Art moderner Höhlenmensch.

„Will nicht, dass du meine hübschen Nippel anstarrst.“ Luci zeigte Tooth den Stinkefinger. Wenigstens hatte er jetzt ein klein bisschen Macht. Der Kerl konnte ihn nicht einfach umbringen, nachdem er einen Befehl von Dad erhalten hatte.

Tooth gab wieder dieses grollende Lachen von sich. Es hörte sich fast an, als käme es aus einem Fass voll Rum. „Ich geb dir meine Jacke, Kleiner.“

Luci zog die Stirn in Falten. Hatte er das gerade richtig gehört? Sein Kopf schmerzte noch immer, wo er die Wand getroffen hatte, und seine Haare stanken nach Whiskey. „Ich habe meine eigenen Klamotten im Motel.“ Er zeigte auf das Gebäude in der Nähe. „Ich trage tatsächlich regelmäßig Unterwäsche.“ Eine warme Jacke hörte sich gut an, aber er wollte Tooth nicht die Oberhand gewinnen lassen. Er wollte nicht für irgendetwas dankbar sein müssen.

Tooth sah zu dem flachen Motelgebäude. „Welche Zimmernummer?“

„Sechs.“ Luci hob erwartungsvoll die Augenbrauen. „Du kannst meine Haare loslassen.“

Sein Mund wurde trocken, als Tooth ein Handy rausholte und eine Nummer wählte. Es würde ihm nicht vergönnt sein, seine eigenen Kleider zu tragen. Er müsste sich mit der großen, warmen Jacke zufrieden geben, die nach Mann roch. Und mit den Leggins, in denen er wie Ke$has schlampiger Zwillingsbruder aussah.

Er sah sich auf dem Parkplatz um, aber mit der Faust, die sich in seinen Haaren vergraben hatte, würde er nirgendwo hingehen. „Arschloch.“

Tooth ignorierte ihn und gab jemandem ein paar kurze Anweisungen, Lucis Klamotten einzupacken. Es hörte sich mehr nach einer Reihe von Befehlen als nach einer Bitte an und Lucis Blick fiel auf etwas vorne an Tooth‘ Weste. Alles wurde ihm klar, als er das ‚Vize-Präsident‘-Zeichen entdeckte. Aber Tooth gab ihm keine Zeit, weiter nachzudenken. Er nahm eine Jacke von einem übergroßen Motorrad und gab sie Luci. Das Kleidungsstück war ihm viel zu groß, aber es bestand aus weichen Leder und hätte für Tooth‘ massiven Körper vermutlich kleiner nicht sein dürfen.

„Zieh das an.“

Luci gab seine Unzufriedenheit mit einem genervten Stöhnen bekannt, zog die Jacke aber trotzdem an und machte den Reisverschluss zu, um sich warm zu halten. Zumindest ging sie ihm über den Hintern. „Bist du immer so zuvorkommend?“

Tooth sah ihn mit diesem permanent finsteren Ausdruck an, der um einiges attraktiver war, als er hätte sein sollen. Luci wollte sich selbst ins Knie treten. Stattdessen betrachtete er das monströse Motorrad—es war riesig, komplett schwarz und verchromt. Auf die Seiten waren geisterhafte graue Flammen gemalt, die etwas trugen, das wie ein stilisierter Zahn aussah.

„Nein“, sagte Tooth letztendlich und langsam ließ er Lucis Haar los. „Und falls du versuchst, abzuhauen, werde ich nicht verhindern, dass sie dein Gesicht über den Asphalt ziehen, also sei jetzt besser ein guter Junge.“

Bei der Drohung konnte Luci nicht verhindern, dass seine Augen sich etwas weiteten. So wie der Mann sich benahm, war sie vermutlich nicht nur so dahingesagt. „Ich bin neunzehn. Ich bin kein ‚Junge‘.“ Was würde jetzt mit ihm passieren? War da noch irgendwo ein bisschen väterliche Liebe im Herzen seines Dads oder würden sie ihn nur verhören und dann rausschmeißen—oder schlimmer? Immerhin war sein Vater Satanist. Seine Mutter hatte ihm das gesagt. Das war auch der Grund, warum sie ihn Lucifer genannt hatten. Oh Gott, wollte Dad vielleicht einen Schlussstrich ziehen? Wollte er ihn opfern, um mit der Familie abzuschließen, die er zurückgelassen hatte?

Tooth‘ Augenbrauen schossen hoch und ein Lachen entkam ihm, während er Luci ansah, eine Hand auf dem Motorradsitz. „Der war gut, Junge“, sagte er und dann bestieg er das Bike mit einem gekonnten Schwung seines muskulösen Beins.

Luci funkelte ihn böse an und versteckte seine Fäuste in den Ärmeln der Jacke. „Bist du denn so alt? Soll ich dich Daddy nennen?“ In Wahrheit sah Tooth gar nicht so alt aus. Er war ein ganz schön furchteinflößender Bastard, aber er war vermutlich nicht viel älter als dreißig.

„Nein, du solltest aufsteigen und dich gut festhalten.“ Tooth schenkte Luci ein halbherziges Lächeln und blickte auf den Rücksitz. Luci musste zweimal hinschauen. Der Kerl hatte tatsächlich zwei Goldzähne direkt hinter seinem Eckzahn.

Von dem leeren Parkplatz konnte Luci keine Hilfe erwarten, also gab er nach ein paar Minuten, in denen er seine Schuhe zuband und seine Leggins hochzog, nach und setzte sich hinter den Kerl, sein Gesicht weniger als einen Zentimeter von dem Club Logo auf Tooth‘ Rücken entfernt.

Coffin Nails MC. Dämonische Hände streckten sich aus einem Sarg und drückten mit ihren Klauen den Deckel zu sich runter. Dem beängstigenden Bild zum Trotz rückte Luci ein bisschen näher, bis sein Schritt den Hintern des anderen Kerls berührte. Wenn er schon auf diese Art reisen musste, wollte er Tooth dabei zumindest ein bisschen auf die Nerven gehen. Der Biker schien jedoch nicht im Geringsten beunruhigt. Der Mistkerl musste sich sehr sicher in seiner Sexualität fühlen.

„Halt dich fest“, sagte Tooth, als der Motor aufheulte.

Luci schlang seine Arme um Tooth‘ massige Brust und drückte seine Wange an die Aufnäher an seinem Rücken. Was auch immer passieren mochte, er hatte keinen Einfluss darauf, also gab es keinen Grund, die Fahrt nicht zu genießen. Er schloss die Augen und atmete Tooth‘ Geruch ein. Für den Kerl hätte er definitiv einen Lapdance gemacht. Zum Sonderpreis.

Tooth blieb still und Sekunden später trug das Motorrad sie beide vom Parkplatz des Stripclubs auf die leere Straße. Luci war sehr schnell dankbar für die warme Jacke. Obwohl es Frühling war, wurde der Wind, der ihm um die Nase blies und seine Haare fliegen ließ langsam kalt. Er hatte fast Mitleid mit Tooth, wenn er dessen nackte Arme betrachtete. Fast.

Luci hielt seine Augen geschlossen, aber dadurch wurde ihm der massive Körper vor ihm nur noch mehr bewusst. Er lächelte in dem Wissen, dass Tooth es nicht sehen konnte, und fuhr mit seinen Händen langsam über die fleischigen Muskeln an Tooth‘ Brust, um sie durch sein T-Shirt zu erkunden. Unter seiner Berührung spannten sie sich an.

„Lass das“, war die einzige Reaktion, die er bekam, während sie die Straße runterfuhren, an ein paar Prostituierten vorbei, die sich um ein Auto herum versammelten, das eben angehalten hatte.

Luci konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er Tooth‘ Nippel zwickte. Vielleicht würde der Kerl am Ende doch noch ausrasten und ihn an einer Straßenecke zurücklassen?

Diesmal sagte Tooth gar nichts. Er bog in eine heruntergekommene Straße ein, auf deren einen Seite Garagen waren und auf der anderen etwas, das aussah, als wäre es mal ein Park gewesen. Er wurde langsamer.

Luci ließ seine Hände zu Tooth‘ Schritt runter gleiten und ergriff die wahrscheinlich letzte Gelegenheit, die er hatte, um zu prüfen, wie gut der Mann bestückt war. Nun, das nannte er doch mal einen Schwanz. Da versteckte sich ganz schön viel Fleisch in der Jeans und Luci musste lächeln, als seine Vorstellungskraft einsetzte. Es war schon eine Weile her, dass er das letzte Mal Sex gehabt hatte, da er das Vanilla nur selten ohne Rick verließ. Und seit Rick ihn unter seine Fittiche genommen hatte, tat er im Vanilla so ziemlich alles außer Ficken oder Blasen. Der Kerl schien Luci wie einen kleinen Bruder zu betrachten.

Tooth regte sich auf seinem Sitz, aber Luci würde nicht mehr lange das Vergnügen haben, ihn zu betatschen. Das Motorrad hielt an einer Straßenseite und Tooth sah ihn mit einem unleserlichen Ausdruck auf dem Gesicht an. „Wir steigen hier ab.“

Luci konnte das blöde Grinsen auf seinem Gesicht nicht zurückhalten. „Tun wir das? Willst du mir einen blasen oder machst du’s mit der Hand?“ Er versuchte seine Haare etwas zurechtzurücken, um so betörend wie möglich auszusehen. Er spielte mit dem Feuer, aber er schaffte es einfach nie, die Klappe zu halten. Sie waren nicht einmal in der Nähe vom Club, was bedeutete, dass Tooth vorher noch andere Pläne haben musste.

Das Blut in seine Adern heizte sich auf, als Tooth mit einem Grinsen von der Maschine abstieg. Er stand Luci viel zu nah mit seinem männlichen Moschusgeruch. Wie sie sich so gegenüber standen, ging Luci Tooth gerade bis zur Brust.

Hatte er den Jackpot geknackt? Hatte er einen experimentierfreudigen Biker getroffen, der ihm einen Blowjob erlauben würde? Bingo. Vielleicht stand Tooth auch einfach nur auf Blonde. Aber auch wenn die Straße verlassen war, war es doch etwas ungewöhnlich, so etwas hier zu machen. Luci sah lächelnd in Tooth‘ grüne Augen und öffnete die Schnalle von seinem breiten Ledergürtel.

Tooth tat einen flachen Atemzug, während er hinter seinem viel zu attraktiven Bart direkt in Lucis Augen blickte. „Zieh ihn ganz ab.“ Seine Stimme war rau und gesenkt.

Luci fuhr sich mit der Zunge über die Lippen in Erwartung eines guten Blowjobs und zog den Gürtel langsam aus den Schlaufen der Jeans. Er bekam eine Gänsehaut, aber nicht, weil ihm kalt war. „Du kannst meinem Dad sagen, du hättest mich ausgefragt, aber ich wusste nichts“, schlug er vor.

„Versuchst du jetzt, zu verhandeln?“, fragte Tooth, während er Luci langsam den Gürtel abnahm. Er ging noch einen Schritt näher auf ihn zu, bis ihre Brustkörbe sich fast berührten, was ein heftiges Feuer in Lucis Magengegend entfachte.

„Ach, komm schon, er wird froh sein, mich los zu sein. Hat doch jeder gesehen, wie peinlich das für ihn war. Er wird erleichtert ausatmen, eine schwarze Kerze für mich anzünden oder so’n Scheiß und ich tauche in einem anderen Staat unter.“ Er unterstrich seine Worte, indem er Tooth‘ Hosenknopf öffnete.

Tooth schnaubte und zog Luci an seiner Jacke hoch, nur um ihn dann plötzlich umzudrehen und ihn über den Sitz des Motorrads zu werfen. „Was glaubst du, was du mit deinem Leben machst, Junge?“, knurrte er, während er Luci etwas schubste, bis sein Kopf über die Seite des Motorrads nach unten hing. Es stank nach Öl und er war schockiert, wie nah sein Haar dem dreckigen Boden kam.

Das war so gar nicht, was er gewollt hatte. Er versuchte Tooth’ Griff zu entkommen, aber die Lage war aussichtslos. Seine Hände waren so unnachgiebig wie Metallplatten. Halten vermutlich öfter mal ne Knarre, meldete seine Vorstellungskraft sich zu Wort. Danke, Vorstellungskraft. „Och, komm schon. Ich dachte, wir könnten was aushandeln.“

„Ich verhandle nicht mit kleinen Jungs“, antwortete Tooth und Luci hätte schwören können, dass sein Peiniger sich hinter ihm bewegte. Aber bevor er darüber nachdenken konnte, wie er das zu seinem Vorteil nutzen konnte, ging ein Zischen durch die Luft und er krümmte sich vor Schock über den Schmerz, der sich auf seinem Hintern ausbreitete.

Luci ließ einen Schrei los, die Augen weit geöffnet, während er seine Hüften nach hinten schob in einem erneuten Versuch, sich aus Tooth‘ Griff zu winden. „Hör auf!“ Er schaffte es, sich so weit aufzurichten, dass er Tooth‘ Arm schlagen konnte. Sein Angriff war allerdings so schwach, dass ihm ein unzufriedenes Knurren entkam, besonders als der Gürtel erneut auf ihn nieder fuhr, härter als zuvor. Und es war der gleiche Gürtel, den Luci Tooth gereicht hatte. Er hatte ihm das Folterinstrument eigens übergeben.

„Hab ich dich darum gebeten, mich anzufassen?“, fragte Tooth mit kalter Stimme.

„Ja!“, fauchte Luci. Er konnte die Tränen kaum zurückhalten, während sein Hintern nach dem Schlag vor Hitze pulsierte. „Du hast gesagt, ich soll mich festhalten. Das ist alles, was ich gemacht habe!“

„Das war nicht, was du gemacht hast“, sagte Tooth, und ein weiterer Schlag ließ Luci nach Atem ringen. Er war so heftig gewesen, dass sein Hintern sich ganz steif anfühlte.

Heiße Tränen flossen ihm die Wangen runter bis zu seinen Lippen. Sie schmeckten salzig. Es war nicht so schlimm, wie vorhin, als er am Kopf getroffen worden war, aber diese andere Art von Schmerz quetschte Tränen aus ihm heraus, als wäre Tooth‘ Gürtel ein Entsafter. „Ich hab nur rumgeblödelt. Hör auf oder ich sag’s meinem Dad!“ Er versuchte, Tooth zu treten, verfehlte aber sein Ziel.

Als der Gürtel das nächste Mal auf ihn niederkam, umklammerte er das Motorrad, als könnte er sich so verstecken und Tooth‘ Lachen machte alles nur noch schlimmer. „Du willst deinem Vater echt erzählen, dass ich dir den Hintern versohlt habe? Wie einem kleinen Kind?“

Lucis Lippen zitterten gegen seinen Willen. Natürlich wollte er das nicht. Sein alter Herr würde ihn vermutlich auch nur auslachen. „Nein“, murmelte er mit einem leisen Schluchzen. Sein ganzer Körper spannte sich an, während er auf den nächsten Hieb wartete. Nicht einmal seine Mutter hatte ihn je auf diese Art bestraft.

Der nächste Schlag kam jedoch nicht. „Hast du deine Lektion gelernt? Geh mir nicht auf den Sack“, sagte Tooth im gleichen, ruhigen Tonfall wie zuvor.

Luci schniefte und rieb sich das Gesicht. Mit diesem Bastard würde er nicht mehr sprechen. Da stand er drüber. Sobald die Hand von seinem Rücken verschwand, stellte er sich auf seine wackeligen Beine. Sein Hintern fühlte sich wie pulverisiert an und pochte vor Hitze und Schmerz. Er krümmte sich etwas und schob die Hände in die Jackentaschen. Er fand ein Feuerzeug, aber sonst nichts.

„Entschuldige dich“, sagte Tooth. Sein Gesicht war dabei in etwa so ausdrucksstark wie eine weiße Wand.

„Ich habe nur deinem Schwanz Hallo gesagt, sonst nichts.“ Aber seine verdammten Augen wollten nicht aufhören, feucht zu werden. Luci ging einen Schritt zurück, doch tief in seinem Herzen wusste er, dass er aus dieser Sackgasse nicht entkommen konnte.

Tooth bewegte sich keinen Zentimeter vom Fleck und hob langsam den Gürtel wieder, den er zu einer Schlaufe gefaltet hatte. „Entschuldige dich. Ich frag nicht nochmal.“

Luci sah zu ihm auf, sicher, dass seine Tränen keine Auswirkung auf Tooth‘ kaltes Herz haben würden. „Es tut mir leid“, murmelte er und schob sich ein paar Haare aus dem Gesicht. Die mussten dringend mal gewaschen werden.

„Entschuldigung angenommen.“ Tooth nickte und tat sich lässig den Gürtel wieder um. Er schloss schnell die Schnalle und zeigte auf das Motorrad. „Und weiter.“

Lucis Herz klopfte immer noch hart, als er sich auf den Rücksitz setzte und das Metall hinter ihm umklammerte. Er musste einen Ausweg finden. Er war vielleicht nicht der Typ, der Langzeitpläne machte, aber Chaos gefiel ihm auch nicht.

Sie rasten durch die Stadt, aber da Tooth offensichtlich alle Hauptstraßen vermied, gerieten sie nirgendwo in einen Stau und Luci erkannte bald, dass sie sich auf den Gebäudekomplex in der Nähe seines alten Elternhauses zubewegten. Seit er von dort weggegangen war, hatte er einen großen Bogen um das Gebiet gemacht, aber hier war er nun und wurde nach Hause zurückgeschleppt wie ein Paket, das an den Absender zurückging. Tooth war eine Bedrohung und mit ihm allein zu sein, kam ihm nicht mehr wie eine Gelegenheit zum Verhandeln vor. Sein Hintern konnte das unterschreiben.

Es fühlte sich an, als würde eine halbe Ewigkeit vergehen, bis sie endlich das hässliche Gebäude erreichten. Tooth fuhr an ihm vorbei und umkreiste das Grundstück, bis er ein Tor an der Rückseite erreichte. Ein junger Kerl kam angerannt und gab auf der anderen Seite einen Code ein, um Tooth reinzulassen. Als sie an ihm vorbeifuhren, hörte Luci ein Pfeifen. Die Reaktion würde er nicht nochmal kriegen, wenn er die Jacke auszog und allen zeigte, dass er gar keine Brüste hatte. Er fühlte sich, als wäre er eine kleine Fliege, die mitten in ein Spinnennetz gezerrt wurde.

Tooth parkte sein Motorrad vorm Eingang und stieg ab, wobei er kurz dem Kerl winkte, der sie reingelassen hatte. „Komm schon“, sagte er zu Luci und zeigte auf die halboffenen Türen. Jetzt nach der Fahrt waren seine Haare sogar noch buschiger als vorher.

Luci sah zu dem hohen Tor hinter ihnen. Würde er seinen Aufenthalt hier überhaupt überleben? „Was wollt ihr eigentlich von Suzy?“ Er stieg vom Motorrad und steckte die Hände in die Jackentaschen.

„Wir werden ihr nichts tun“, meinte Tooth nach einem kurzen Moment des Nachdenkens. „Aber sie geht nicht mehr an ihr Handy und sie schuldet uns noch was. Je eher wir sie finden, desto besser für sie, glaub mir.“ Er schubste Luci zur Tür. Im Schein der Lampe konnte Luci zwei abgenutzte Ledersessel und eine Bar ausmachen.

Er schob Tooth‘ Hand von sich. „Ich geh ja schon, Mann.“ Er sah sich nach möglichen Fluchtwegen um, aber es gab keine Fenster. „Wenn ich dir sage, was ich weiß, kann ich dann abhauen?“, fragte er, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen, als er eine große, pelzige weiße Katze auf der leeren Theke sitzen sah. Sein Lächeln verschwand jedoch, als Tooth ihm seinen Wunsch verwehrte.

„Nein. Dein Vater möchte mit dir reden“, sagte er, während er Luci durch die Bar hinter sich her zog. Der Raum war einfach eingerichtet, mit roten Fliesen auf dem Fußboden und holzverkleideten Wänden. Außerdem hing ein großes Banner mit dem Clubsiegel an einer Wand, umgeben von Bilderrahmen mit Fotos von Mitgliedern des Detroiter Coffin Nails Clubs, die stolz ihre Aufnäher trugen. Ansonsten hatte der Raum eine Ecke zum Entspannen mit einem Fernseher und einigen Stühlen und eine Bar, hinter der eine Gläsersammlung und viele Alkoholflaschen auf einem Regal standen.

„Ach ja? Der hat sich die letzten neunzehn Jahre nicht um mich geschert und jetzt will er plötzlich reden?“ Luci schmollte.

„Wen hast du da angeschleppt, Tooth?“, fragte eine weibliche Stimme von einem Sofa weiter hinten. Da er und Tooth jedoch in eine andere Richtung gingen, konnte er nicht sehen, wer es war.

Tooth‘ Griff verstärkte sich um Lucis Schulter, als er ihn weiter den Flur runter drängte. „Ein Informant.“

„Wohin gehen wir?“ Luci stöhnte genervt, während Tooth ihn durch einen Korridor mit noch mehr Club Fotos an den Wänden führte. „Muss ich die Nacht über bleiben?“

Tooth sah aus, als hätte er sein Gejammer Leid. „Du bleibst so lange, wie Priest das möchte“, meinte er und schob Luci die Treppe hoch. Der erste Stock sah schlicht, jedoch ordentlich aus, mit dunklem Teppich auf dem Boden und weißen Wänden.

„Ich habe einen Job zu tun, weißt du? Und meine Haare sehen beschissen aus. Ich kann so nicht wieder zurückgehen.“ Ganz zu schweigen von den blauen Flecken, die sich vermutlich gerade auf seiner Haut formten. Niemand wollte einen Lapdance von einem Typen mit einem blauen Hintern.

„Es wird eine Weile dauern, bis die anderen wieder hier sind. Du kannst dir die Haare waschen“, sagte Tooth, während er die zweite Tür zu ihrer Linken öffnete. Als das Licht anging, zeigte sich Luci ein großes Schlafzimmer. Es war sauber und frei von unnötigem Gerümpel. Die Wände waren grau und mit Bandpostern in schicken Rahmen behangen. Insgesamt versprühte der Raum eine ruhige Atmosphäre. Das war ein Ort, an dem man sich ausruhen konnte, mit einem großen Bett, einem Flachbildfernseher und einer Sammlung von Büchern und DVDs auf zwei einfachen Regalen.

„Ich hatte eine Zelle erwartet.“ Luci schnüffelte herum und öffnete den Reisverschluss seiner Jacke. Durch eine halb geöffnete Tür an der Seite konnte er ein elegantes weißes Badezimmer erspähen.

Tooth schnaubte, als hätte Luci ihn gerade an einen fiesen Witz erinnert. Bei einem Typen wie ihm hätte ihn das nicht gewundert. „Nein, das ist mein Zimmer.“

„Oh, du lässt mich also in dein Liebesnest. Verstehe.“ Luci warf sich lässig auf das weiche Bett. Er wollte den Kerl nicht denken lassen, der breite Gürtel hätte irgendwelche Auswirkungen auf ihn gehabt. Die Matratze war ein bisschen hart, aber nicht so schlimm, dass sie Lucis wundem Hintern wehgetan hätte.

Tooth hob die Augenbrauen und schloss die Tür. „Nicht wirklich“, sagte er und zog sich die Stiefel aus.

Luci rollte sich auf den Bauch und beobachtete den großen, bösen Biker. „Also was machst du, wenn ich nicht rede?“

Tooth lehnte sich an die Wand und schüttelte den Kopf. „Weißt du, warum sie mich Tooth nennen? Das ist kurz für ‚Tooth Fairy‘—die Zahnfee. Ich nehme Leuten gern die Zähne raus“, erklärte er mit einer finsteren Gelassenheit.

Luci verbiss es sich, darauf einen Scherz zu erwidern. Spannung lag in der Luft, aber es war nicht die angenehme Art von Spannung, die er beim Flirten verspürte. „Oh. Du meinst, echt jetzt?“, flüsterte er letztendlich und setzte sich auf. Sein Blick wanderte zu der Kette, die um Tooth‘ Hals hing und plötzlich wurde es ihm zu warm und zu eng in der Lederjacke. Der Kettenanhänger war wie ein Totenkopf geformt, aber jetzt konnte er deutlich erkennen, dass er aus Zähnen bestand.

Tooth nickte langsam.

Luci spürte ein unangenehmes Kribbeln auf seiner Haut. Er zog die Jacke aus und faltete sie ordentlich an seiner Seite bevor er sich noch die Schuhe abstreifte. „Ich glaube, ich gehe jetzt meine Haare waschen“, murmelte er.

„Gut.“ Tooth kam näher und beobachtete jeden seiner Schritte. „Zieh dich aus.“

Luci hielt inne, während er versuchte zu verstehen, weshalb diese Worte eine Welle von freudiger Erwartung in ihm auslösten. Nach all den Drohungen vor dem Typen einen Steifen zu kriegen war das Letzte, was er wollte, also kämpfte er gegen die Hitze an, die in seiner Brust aufstieg, während er sich seiner Schuhe und seiner Socken entledigte. Tooth erinnerte vielleicht ein bisschen an einen Piraten, ja, aber mit seinem wilden Haar und dem Bart, den breiten Armen und der Lederweste, vermittelte er mehr den Eindruck eines heißen Blackbeards als von irgendeinem Penner.

Luci schluckte schwer, als er sich die Leggins auszog. Er fühlte sich dabei so beobachtet. Er konnte spüren, wie Tooth‘ grüne Augen über seine Haut fuhren, aber er wollte nicht versuchen, sich zu bedecken, wollte Tooth nicht wissen lassen, dass er sich unangenehm fühlte. Diese Genugtuung hatte er nicht verdient.

„Benutz, was immer du willst. Ich hol ein sauberes Handtuch“, sagte Tooth mit einem Blick ins Bad. Es standen nicht viele Haarprodukte zur Auswahl und Luci wusste bereits, dass sein Pflegeprogramm sehr spärlich ausfallen würde, da er nicht einmal eine Flasche Spülung auf der kleinen Ablage über der Badewanne erkennen konnte.

Er lachte nervös und fing an, sich die Haare zu flechten, während er sich langsam zur Tür bewegte. „Gentleman.“ Er drehte seinen Unterkörper etwas, um die blauen Flecken auf seinem Hintern zu begutachten. Sie nahmen bereits eine leicht violette Farbe an. „Der Ton passt gut zu meinen Augen.“ Er versuchte mit dem Witz die Spannung zu lockern, doch Tooth‘ Augen wurden nur noch finsterer, düsterer. Dann äußerte er eine völlig normale Frage.

„Warst du König auf deinem Abschlussball?“ Tooth betrachtete das Tattoo an Lucis Hüfte, ein einfaches Bild einer Krone, die den Schriftzug ‚Ballkönig‘ trug.

Luci betrat das Badezimmer, welches sich größer als gedacht herausstellte. In die Badewanne hätten locker auch zwei Leute reingepasst. Nicht, dass Tooth eine Einladung begrüßt hätte.

„Ja, ich war Ballkönig“, sagte Luci und lehnte sich über die Wanne, um den Wasserhahn aufzudrehen. Dabei nahm er Notiz von dem Fenster an der Seite. Es war klein, mit mattiertem Glas, aber vielleicht könnte Luci sich durchzwängen, wenn er müsste.

„Steig rein“, sagte Tooth und plötzlich spürte Luci, wie etwas Stoff eine seiner Pobacken streifte.

Das Gefühl löste eine Gänsehaut auf seinen Armen aus und er erschrak leicht. „Glaubst du mir nicht?“ Lachend sah er hinter sich, wo Tooth über ihn ragte und aussah wie der heißeste Kerl, der je einen Blowjob von ihm erwarten könnte. Der Mann hatte Präsens, das musste Luci ihm lassen.

„Du siehst nicht danach aus, das ist alles.“

„Es ist einfach die Nominierung zu gewinnen, wenn man der einzige Teilnehmer ist.“ Luci stippte einen Fuß ins Wasser, um zu sehen, wie heiß es war. „Es war ein privater Abschlussball, weißt du?“ Korrekt gesagt hatte es gar keinen Abschlussball gegeben, da Luci die Schule mit fünfzehn abgebrochen hatte. Aber er hatte sich wenigstens das Tattoo stechen lassen, um die Gelegenheit zu feiern.

Tooth schnaubte. „Meinst du nicht eher, dass du dem Ballkönig in seinem Auto einen geblasen hast?“

Lucis Lippen öffneten sich, aber er fing sich schnell wieder und griff nach Tooth‘ Arm, als er sich in die Wanne setzte. „Hätte ich wohl gerne. Ich habe ihn einmal in der Umkleide gesehen. Er hatte so einen fetten, sehnigen Schwanz. An dem hätte ich total gern gesaugt“, sagte er, in der Hoffnung, Tooth zumindest ein bisschen in Verlegenheit zu bringen, aber sein Plan schien nicht aufzugehen.

Tooth‘ Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, das bald anfing Sinn zu ergeben, als er nach Lucis Handgelenk griff und ihm eine Handschelle umlegte. Das Gefühl von kaltem Metall zerstörte Lucis Hoffnung, vielleicht aus dem Fenster klettern zu können, besonders als Tooth das andere Ende um das Wasserrohr schloss.

Luci stieß einen Atemzug aus und zwang sich zu einem Lächeln. „Ach, komm schon, würde ich vor einem Kerl wie dir je wegrennen?“ Er fuhr mit den Fingern über Tooth‘ Gürtel und schenkte ihm dabei den unschuldigsten Blick, den er drauf hatte.

„Lass das“, sagte Tooth. Er bewegte sich langsam zurück zur Tür, ließ Luci aber nie aus dem Blick.

„Schaust du gern zu?“ Luci schmollte und ließ sich ins Wasser fallen. Es gab nicht einmal Schaum. Aber wenigstens war die Kette von den Handschellen lang genug, dass er sich irgendwie die Haare waschen konnte.

Ein dreckiges Grinsen ließ Tooth‘ Augen aufleuchten, als er das Bad verließ. Einen Moment später hörte Luci, wie die andere Tür sich öffnete und schloss. Er war allein.

Er betrachtete das 2in1 Shampoo an seiner Seite und seufzte. Seine langen blonden Haare benötigten eigentlich viel mehr Pflege. Falls er auch nur ein paar Tage länger hier bleiben sollte, würde er verlangen müssen, ordentlich behandelt zu werden. Das hier ging mal gar nicht. Falls Tooth ihn zum Einkaufen mitnahm, könnte er vielleicht im Kaufhaus verschwinden. Er müsste sich nur den ganzen Tag wie ein guter Junge benehmen und dann in einem Moment der Unachtsamkeit abhauen.

Außerdem musste er Rick wissen lassen, wo er war. Der Mann hatte ein gutes Herz und machte sich wahrscheinlich Sorgen. Er versorgte ihn immer mit gutem Essen und stellte sicher, dass er gesund war. Er kaufte ihm sogar Medizin, wenn Luci sich keine eigene leisten konnte.

Und dann war da noch die Sache mit Suzy. Klar war sie ein Dealer, aber es war völlig untypisch für sie, so eine Nummer abzuziehen. Sie war zu schlau, um von den Coffin Nails zu stehlen. Vielleicht war ihr wirklich etwas zugestoßen? Es war nicht so, als hätte sie ihn gebeten, ein Geheimnis für sie zu bewahren. Sie waren zusammen auf einer Party gewesen und während er zu seiner Schicht zur Vanilla Lounge gegangen war, war sie wohl nicht zurückgekehrt. Während Luci seinen armen, wunden Hintern einweichte, entschied er, Tooth und Dad alles zu sagen, was er wusste, falls sie versprechen konnten, dass sie nicht direkt losballern würden, wenn sie Suzy fanden. Letzten Endes musste sie einen guten Grund gehabt haben, wenn sie wirklich etwas so Dummes getan hatte, wie von den Nails zu stehlen. Und irgendwie hoffte Luci immer noch, dass sein Vater ihn trotz all dem Ärger, in den er geriet, nicht völlig hasste.

Luci öffnete die Shampoo Flasche und fing an, seine Haare zu waschen, obwohl es mit den Handschellen etwas schwierig war. Er hasste es, wenn seine Haare so dreckig waren. Seine Gedanken wanderten zurück zu dem Moment, in dem Tooth ihn gegen den klebrigen Tisch gestoßen hatte. Er hatte so viel Panik vor dem gehabt, was passieren würde, aber jetzt, wo er sich in der sauberen, weißen Wanne in Sicherheit wiegen konnte, füllte sein Kopf sich mit schmutzigen Fantasien, in denen der große Biker ihn hart rannahm, während alle um sie herum zusahen. Er würde ihm die glänzende Leggins runterziehen, statt Gleitgel Speichel benutzen, seine Hand in Lucis Haar vergraben und zustoßen. Selbst die Erinnerung an den Gürtel verwandelte sich nun in etwas, das unter den richtigen Umständen, wünschenswert sein konnte.

Luci ließ sich tiefer ins Wasser sinken und gab sich seinen Fantasien hin.

 

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